Die Gastronomie der Insel ist gewöhnlicherweise eine der von den Besuchern am wenigsten bekannten und beachteten Aspekte der Kultur Teneriffas. Dennoch ist sie von großem Interesse und könnte demjenigen, der während des Urlaubs ab und zu auf seine tägliche Kost bzw. auf die Angebote der Internationalen Küche verzichtet, eine äußerst angenehme Überraschung bescheren. Die kanarische Küche ist von großer Schlichtheit, schöpft aber aus tiefer kulinarischer Erfahrung und ist auch sonst reich an echten, authentischen Aromen. Das Klima und der Gebrauch der naheliegenden und inselüblichen Produkte beherrschen die traditionellen Rezepte der kanarischen Gastronomie. Hier wird der Fisch - von exquisitem Geschmack übrigens und, so die wiederholte Auffassung des Kritikers Xaber Domingo, durchaus konkurrenzfähig mit den bekannten Produkten des Kantabrischen Meeres - normalerweise gekocht bzw. halbgar gekocht. Außerdem wird er entweder in Öl, Essig und scharfem guindilla-Pfeffer zubereitet oder mit einer "mojo" serviert. Die "mojo" ist eine Art Soße, die in verschiedenen Variationen hergestellt wird und bei keiner kanarischen Mahlzeit fehlen sollte. Sie kann grün sein, mit Koriander, oder rot, mit scharfem Paprika (dann wird sie mojo picón genannt). Der typische und auf dem Archipel beliebteste Fisch ist der "vieja", der nur in diesen Breitengraden vorkommt, beliebt wegen seines äußerst weißen und delikaten Fleisches. Aber auch der mit der Brasse verwandte bocanegro, sama und der salema (beides Rotbrassenarten) sind sehr zu empfehlen. Die Heringsarten sind in den Gewässern des Archipels sehr reichlich vorhanden; sie sind sehr schmackhaft und werden gebraten serviert, vom Blech oder in einer Marinade; so z.B.. der "caballa" (Makrele), die Sardine und insbesondere der chicharro, der Stöckerfisch, der auch der Inselhauptstadt und - in weiterem Sinne - der gesamten Insel den Namen gibt. Daher sind die tinerfeños auch als "chicharreros" bekannt. In den kanarischen Gefilden gibt es ein weiteres Meerestier, das einmal probiert werden sollte: die Muräne, knusprig gebraten war sie bereits das Lieblingsmahl der römischen Kaiser und ist heutzutage unverständlicherweise von den Speiseplänen der großen Gourmets verschwunden. In den feuchteren und kühleren Zonen der Insel ist vor allem die wohlschmeckende cazuela de pescado zu empfehlen, ein Fischtopf, für gewöhnlich aus geschmortem Zackenbarsch, der begleitet wird von dem escaldón de gofio, einem Brei aus der Fischbrühe und dem typisch kanarischen gofio (geröstetes Maismehl). Was das Fleisch betrifft, so ließe sich der eingelegte Braten aus Schweinefleisch hervorheben, der auch carne de fiesta (Festtagsfleisch) genannt wird, weil es das Gericht ist, das für die Volksfeste (verbenas) und die Feiern zu Ehren des jeweiligen Schutzpatrons |
zubereitet und während der Festlichkeiten in den Gasthäusern und Bars zum Verzehr angeboten wird; ebenso hervorzuheben ist das Fleisch von jungen Ziegen, in all seinen Variationen, und Kaninchen in Pökelsoße (conejo en salmorejo), das meistens, wie auch die Fischgerichte, von papas arrugadas (Runzelkartoffel) begleitet wird: in stark gesalzenem Wasser gekochte, ungepellte Kartoffeln. Die hohe Qualität der kanarischen Kartoffel ist nur schwer mit der Güte der Kartoffel aus anderen Breitengraden vergleichbar, und es gibt sie in den unterschiedlichsten Größen, Strukturen und Farben, wobei besonders die sogenannten papas bonitas, die schönen Kartoffeln, und die kleinen papas negras, die schwarzen Kartoffeln, die von außen sehr dunkel und innen gelb, fleischig und äußerst schmackhaft sind, bevorzugt werden. Das kanarische Konditorei - und Nachspeiseangebot ist von einer großen Vielfalt, wohl deswegen, weil sie der beleibteste Abschluß eines guten Essens darstellen. Die huevos moles (eine Eiersüßspeise), der bienmesabe, auf Deutsch "Schmecktmirgut" (eine Süßspeise, die aus Zwieback, Zuckersirup, gemahlenen Mandeln und geschlagenem Eigelb besteht), und die leche asada ("Gebackene Milch" - eine Art Pudding, bestehend aus Milch, Zucker, Zimt, Zitrone und geschlagenen Eiern), sind nur einige wenige Beispiele einer Facette der traditionellen, tinerfeñischen Küche. Viele dieser Nachspeisen können ergänzt werden durch den aus La Gomera stammenden "miel de palma", den sogenannten Palmenhonig, den man aus dem Sud des ausgekochten Harzes oder Pflanzensaftes der am schwersten erreichbaren Höhen der Palme gewinnt. Der milde Ziegenkäse wird im allgemeinen als Entree zur Hauptspeise gereicht. Die kanarischen Käsesorten gewinnen langsam ihr Ansehen wieder zurück, und auf einigen Internationalen Milchprodukte-Ausstellungen sind sie mit wichtigen Auszeichnungen versehen worden. Der wichtigste, auf die Gastronomie bezogene Anlaß dafür, daß die Kanarischen Inseln in den Werken berühmter Autoren genannt werden - so unter anderem bei Shakespeare - war der Wein. Der kanarische Wein, besonders der Malvasier, galt damals als der beste der Welt und war an allen europäischen Höfen und in den bestsortierten Weinkellern der Alten wie der Neuen Welt zu finden. Eine Serie historischer wie wirtschaftlicher Wechselfälle zerstörten nicht nur dieses Ansehen, sondern auch den die Ökonomie des Archipels stützenden Markt. Heutzutage beanspruchen die kanarischen Weine nach langer Zeit wieder ihre charakterliche Eigenständigkeit und Besonderheit und haben sich als ideale Ergänzung zur kanarischen Küche erwiesen. Auf Teneriffa gibt es heute exzellente junge Rotweine mit der geschützten Herkunftsbezeichnung Tacoronte-Acentejo. Doch in guten Restaurants lassen sich auch großartige Weine der anderen Inseln genießen: die weisen Tafelweine von El Hierro, die Rotweine und Rosés von La Palma und vor allem die ausgezeichneten Malvasier von Lanzarote. |